Argumente

Fünf Argumente für ein NEIN

NEIN zum Angriff auf die Sprachenvielfalt: Sie ist Teil unserer Identität.
NEIN zum Alleingang: 22 Kantone unterrichten in der Primarschule nach dem Modell 3/5.
NEIN zu höheren Kosten: Die Abkehr vom Bestehendem bringt massive Mehrkosten.
NEIN weiteren Schul-Experimenten: Primarlehrer/innen und Schüler endlich in Ruhe lassen!
NEIN zur Diskriminierung: Sollen Bergeller- oder Engadinerkinder kein Englisch lernen?

 

NEIN zum Angriff auf die Sprachenvielfalt

Wenn wir auf Reisen die Eigenheiten unseres Kantons beschreiben, erwähnen wir mit Sicherheit die Dreisprachigkeit. 150 Täler, 615 Seen, 937 Berggipfel, aber eben auch drei Sprachen prägen unsere Heimat. Das Miteinander von Deutsch, Romanisch und Italienisch mischt sich in den Strassen von Bivio, Chur, Ilanz oder Thusis, prägt uns, macht uns stolz. Nur logisch, dass sich der Kanton beim Sprachunterricht in der Primarschule für das Modell 3/5 entschieden hat. In der 3. Klasse beginnen die Schüler in D-GR mit Italienisch und in der 5. Klasse mit Englisch. Das passt in unseren Kanton. Die heutige Lösung ist eine Kombination zwischen der Berücksichtigung der Kantonsprachen und dem Erlernen des Englischen. Sie ist die bestmöglichste unter den gegebenen Rahmenbedingungen.

Die Fremdsprachen-Initiative ist ein Angriff auf Werte, die wir nicht verlieren wollen.

 

NEIN zum Alleingang

Die Annahme der Initiative würde den Kanton Graubünden zu einem Weg zwingen, der sich von 22 Kantonen oder 90% der Bevölkerung unterscheiden würde. Graubünden wäre der einzige Kanton, der sich vom 3/5-Modell – eine Fremdsprache in der dritten, die andere in der fünften Klasse – abwenden würde.

Das Modell, das uns die Initianten aufzwingen wollen, führt zu einer Unvereinbarkeit mit dem eidgenössischen Sprachengesetz. Kein Wunder also, dass ähnliche Initiativen in den Kantonen Thurgau, Zürich, Nidwalden, Basel-Land und Luzern alle gescheitert sind.

Auch die anderen mehrsprachigen Kantone räumen ihren Kantonssprachen Priorität ein und beginnen zuerst mit der zweiten Kantonssprache, gefolgt von Englisch ab dem 5. Schuljahr. Die Sprachgrenzkantone lernen wie Graubünden zuerst die Sprache des Nachbarn.

NEIN zu höheren Kosten

Die Umsetzung der Initiative wäre teuer, weil neue Lehrmittel entwickelt und produziert, zahlreiche Lehrer weitergebildet und für einzelne Fächer neue Lehrpläne ausgearbeitet werden müssten. Die Abkehr vom Bestehenden bringt Unsicherheit und Mehrkosten. Zudem verlagert die Initiative die zweite Fremdsprache in die Sekundarstufe. Die Integration von Schülern aus unterschiedlichen Sprachgebieten wäre in der Sekundarstufe auch langfristig und wiederkehrend aufwendig und teuer (Aufnahmeprüfung nach der 6./8. Klasse etc.). Allein schon die wirtschaftliche Argumentation spricht für ein Nein.

Eine Abkehr vom bestehenden Modell hätte zur Folge, dass zum Ausgleich der zeitlichen und stofflichen Belastung der Schülerinnen und Schüler in der Oberstufe zwingend andere Lehrplanbereiche gestaltet und die Lektionentafeln grundlegend überarbeitet werden müssten. Dies würde auch eine abermalige Anpassung des Schulgesetzes nach sich ziehen. Das brauchen weder Schüler, Lehrer noch unsere Kantonskasse!

 

NEIN weiteren Schul-Experimenten

Wieder ein neues System auf unsere Primarschüler und ihre Lehrkräfte loszulassen? Sicher nicht! Unsere Primarschüler und insbesondere auch die Lehrerinnen sollen endlich in Ruhe gelassen werden. Wir wissen es aus eigener Erfahrung, kennen es aus Vergleichen unterschiedlicher Schulsysteme: entscheidend für den Lernerfolg sind die Lehrerinnen und Lehrer. Dauernder Systemwechsel ist Gift. Klar kann und muss der Fremdsprachenunterricht in der Primarschule besser werden! Aber bitte nicht mit erneuter Unsicherheit und Unruhe durch einen Systemwechsel.

Ein Systemwechsel bringt vor allem eines: Unruhe und Bürokratie. Das ist nicht im Interesse unserer Kinder.

 

NEIN zur Diskriminierung

Die Fremdsprachen-Initiative diskriminiert italienisch- und romanischsprechende Schüler. Denn die Initiative bewirkt gesamtkantonal sehr unterschiedliche Fremdsprachenkompetenzen am Ende der Primarschulstufe. Sie führt zur folgenden Situation: In Deutsch-Graubünden lernen Primarschüler nebst ihrer Muttersprache nur Englisch und nur Englisch und in Italienischbünden wird nur Deutsch unterrichtet. Das ist paradox und diskriminierend, denn die italienisch- und romanischsprechenden Schüler sind benachteiligt, wenn sie erst in der Oberstufe Englisch lernen können. Sollen Bergeller-, Engadiner-, Misoxer- oder Sedrunerkinder kein Englisch lernen dürfen?

Die Initianten wollen nicht, dass in der Primarschule in D-GR italienisch unterrichtet wird. Haben sich die Initianten nicht die Mühe genommen, abzuklären, wie wichtig Italienisch für den beruflichen Erfolg im Kanton ist? Italienisch wird im Kanton häufiger gebraucht als Englisch (siehe Anhang). Ob im Tourismus, in der Bauwirtschaft oder im Austausch mit den benachbarten Wirtschaftsräumen in Italien: Italienisch ist von grossem Nutzen.